Predigt vom 25. Oktober 2020 in der Christuskirche Trostberg

Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten.Und Liebe üben. Und demütig sein vor Deinem Gott.

Maske tragen. Abstand halten. Hände waschen. Zuhause bleiben. Oberflächen desinfizieren. Home Office. Veranstaltung absagen. Nur eigenes Essen mitbringen. Sitzungen nur online. Maske tragen. Abstand halten. Hände waschen. Urlaub absagen. Desinfizieren. Impfen. Testen. Nicht testen. Krankmelden. Nur zuhause Naseputzen. Hände waschen. Abstand halten.

Hören Sie mich noch? Es rauscht einem doch einfach alles in den Ohren, oder? Wie ein Lärmwolke, Wortwolken über unseren Köpfen. In unseren Köpfen. 

Meine Tochter, die mit einer Decke in die Schule geht.

Die Mesnerin, die jedes Gesangbuch einzeln desinfiziert.

Ich muss Ihnen keine Beispiele sagen, Sie könnten alle ihre eigenen aufzählen. Es rauscht. Als ob man unter Wasser wäre und nie mehr richtig auftauchen könnte um Luft zu holen.

Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten. Und Liebe üben. Und demütig sein vor Deinem Gott.

Ja, und schuld sind einfach diese jungen Leute. Parties vermissen. Können die nicht einfach mal zuhause bleiben? Was ist das eigentlich für eine Generation? So rücksichtslos!

Und dann die ganzen alten Leute, die einfach trotzdem immer selber in die Apotheke latschen, obwohl die doch auch liefern würden.

Und die Medien, die alle dasselbe sagen. Die verbreiten doch auch eh nur Panik. Das wäre doch alles gar nicht so schlimm, wenn die das nicht so aufbauschen würden.

Und also echt, die Politiker, die haben’s halt auch nicht drauf, können sich nicht mal einigen. Hätten se doch einfach mal alles dicht gemacht für drei Wochen, also alles. Dann wäre das jetzt doch auch nicht so schlimm. 

Und die Corona-Leugner, diese Aluhüte, die das alles überhaupt nicht ernst nehmen. Die sind doch schuld, wenn sich das so verbreitet. Tragen keine Masken, halten keinen Abstand. 

Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten. Und Liebe üben. Und demütig sein vor Deinem Gott.

Und dann all das andere. Mehr arbeiten, damit mehr Geld reinkommt. Aber hab ich dann noch genug Zeit für die Kinder? Und mehr Sport wäre auch gut, aber schlafen doch auch? Und das Fleisch sollte man auch wirklich nur noch bio kaufen. Und letztens die Reportage aus dem Schlachthof, vegetarisch wäre eh noch besser. Und ja ich weiß, dass die Klamotten von Kindern genäht werden, aber worauf soll man denn noch alles achten? Und es ist zu viel, zu viel, was man alles richtig machen soll.

Und eigentlich ist es doch auch kein Wettbewerb. Und irgendwie gibt es auch keine Belohnung für’s besser sein als die anderen. Es gibt keine Belohnung, aber dafür gibt es auch keine Schilder. Kein hierlang, kein „hier nicht“, keinen Plan, keine Landkarte, keine Strategie für das Leben.

Die müssen wir uns schon selbst zurechtlegen. Und das – ist wahnsinnig anstrengend. Und schmerzhaft. Und hinterlässt Verletzungen. Wenn wir uns am richtig oder falsch aufreiben, wie an den Ecken der Weggabelungen. 

Wenn wir uns die Füße wundlaufen bei all dem, dem wir nachrennen.

Es gibt keine Schilder und keinen Plan, auch wenn manche denken, das gäbe es.

Es gibt nur das: 

Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert: Nämlich Gottes Wort halten. Und Liebe üben.  Und demütig sein vor Deinem Gott. So steht es in der Bibel, so als ob dann alles klar wäre. Nur das.

Wenn es denn ein „Nur“ wäre: Gottes Wort halten (sind das die Gebote? Die sind wahnsinnig schwer zu halten.) Liebe üben. (Ja, das geht, aber nie perfekt, es ist wirklich eine Übung)

Demütig sein – und ich glaube, das ist am allerschwersten.

Das Gute tun, das Richtige tun – wir denken, in unserem Herzen wüssten wir schon, was das ist. Zum Beispiel: Sich gut um die Kinder kümmern. Oder sich engagieren für das Gute. Oder die Eltern unterstützen. Wir wissen es, aber: unser Herz und unser Gewissen sind auch ganz schön anfällig für Verunsicherungen. Ist das richtig jetzt? Reicht das? Hätte ich etwas anderes entscheiden sollen? 

Liebe Gemeinde, das Gute tun, Liebe üben, demütig sein. Das ist verdammt viel. Und es ist schon wirklich viel, wenn wir das in unserem kleinen eigenen Leben versuchen. Es verlangt von uns, dass wir über uns nachdenken, mit anderen darüber reden, mit den Kindern, den Eltern, den Kolleg*innen. Es verlangt Liebe von uns – am meisten für uns selbst. Liebe für Dich, die Du alles versuchst, es richtig zu machen. Es ist viel verlangt. Und dann die Demut. Demut vor dem Leben, dass es größer ist, als wir fassen können. Und vor dem Leben der anderen. Demut heißt auch: Es gibt keine Belohnung für das richtige Leben. Keinen Orden, keine Auszeichnung. Auch nicht dafür, wie man wirklich „nicht gut lebt“. Ich glaube, es wäre besser, leichter, einfacher für uns, wenn wir das ernstnehmen würden mit der Demut. Und sagen: Weißt Du, ich weiß nicht genau, was richtig ist und was falsch. Ich hab für mich eine Lösung gefunden und das versuche ich jetzt. Morgen finde ich vielleicht eine andere, bessere. Und Du: Was suchst Du mit Deiner Lösung?

Es macht demütig, zu wissen, dass wir alle dasselbe suchen: Das Gute. Die Liebe. Das Glück. Den Frieden. Und es macht demütig vor Gott, der uns keinen Orden für beste Leistungen verleiht. Gott macht es anders herum: Er zeichnet uns nicht „danach“, nach vollbrachter Leistung aus. Sondern vorher. Vorher zeichnet er uns ein Zeichen in den Himmel. Ein buntes Zeichen, das aus Regen und Sonne entsteht. 

Schönheit, die keinen Zweck zu haben scheint, als nur: ich erinnere Dich. Ich bin da und halte zu Dir. Nach der Sintflut, nach dem Gott alles ausgelöscht hatte, alles weggewischt. Da sagt er: Das tue ich nicht nochmal. Meine Liebe bleibt. Ich sag es Euch jetzt, bevor ihr lebt und handelt und scheitert: Dein Leben steht unter meinem Bogen. Unter meinem Frieden.

Du wirst Dein Bestes geben. Deinen Frieden suchen. Such ihn bei Dir, nicht bei den anderen. Bleib bei Dir. Bei Deiner Liebe, bei Deinem Scheitern. Bei Deinem Glück. Wo denn sonst, wenn nicht bei Dir? Und Du wirst das Gute finden, die Liebe und die Demut.

Amen.

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